Betrachtungen zur Kopplung der Energiewende und Verkehrswende in Marburg

Positionspapier von Professor Sundermeyer, Mitglied im Vorstand der BI und der Arbeitsgruppe Nachhaltige Energieversorgung (AGNE):

In diesen Wahlkampftagen liest und hört man viel über die Energiewende. Der Diesel­skandal befeuert diese Diskussion mit vergleichsweise neuen Aspekten der Mobilitäts- oder Verkehrswende. Grund genug, sich mit dem Thema Windener­gie­anlagen-Ausbau im Kontext der E-Mobilität etwas näher zu befassen:

Die Jahresleistung einer hochmodernen Schwachwindenergieanlage (WKA) der 3-MegaWatt (MW)-Klasse wie sie auf dem Marburger Bergrücken bei Görzhausen geplant ist, beträgt 6.000 MWh/Jahr bezogen auf eine überdurchschnittliche Voll­laststundenzahl von 2.000 h. Drei bis vier derartige WKA sollen in ca. 3,8 km Ent­fer­nung zum Marburger Schloss im Wald entstehen, sie werden das Schloss um ca. 280 Meter an Höhe überragen. Es stellt sich die Frage, wie viele Elektroautos wir mit einem solchen Kraftwerk mit einer Rotorkreisfläche, 1,5-fach so groß wie ein Fußballplatz, betreiben können?

Der mittlere Energieverbrauch eines Elektrofahrzeugs der Minikompakt-Klasse beträgt hocheffiziente  18 KWh/100 km (https://www.heise.de/newsticker/meldung/E-Autos-verbrauchen-viel-mehr-Strom-als-angegeben-3081667.html). Rechnen wir weiter mit einer Jahres­kilo­meter­leistung von 15.000 km, so beträgt der Jahresenergieverbrauch dieses E-PKW 2.700 Kilowattstunden (KWh/Jahr). Durchaus ermutigend ist, dass das oben­genannte moderne Windkraftwerk der 3-MW-Klasse ca. 2.222 dieser E-Kleinst­wagen (6.000 MWh pro WKA und Jahr / 2,7 MWh pro E-Auto und Jahr) durch­schnitt­lich mit Strom beliefern könnte. Dunkelflaute und Verluste durch not­wen­di­ge elektrochemische Zwischenspeicherung der Energie wie auch die Batterie-Selbst­entladung und kritische Ökobilanz (vgl. Spiegel 34/2017, S. 118) bei der Bat­terie-Herstellung seien bei dieser vereinfachten Betrachtung vernachlässigt.

Nun zur Frage: Wie viele moderne WKA werden benötigt, um derzeit 46 Mio PKW (Statistisches Bundesamt) in Deutschland oder 130.000 PKW im Landkreis Mar­burg­-Biedenkopf (Statistisches Landesamt Hessen), wohlgemerkt auf Kleinst­wagen­niveau, nicht Tesla S, auf 100% Strom umzustellen? Diese Frage stellt sich, weil die Grünen 100% “Dekarbonisierung” (CO2-Befreiung) des Straßenverkehrs – kompromisslos bis 2030 – in ihrem Wahlprogramm garantieren! Die angedachte Lösung: Verkehrswende durch Sektorenkopplung der E-Mobilität mit der Energie­wende (https://www.agora-verkehrswende.de/12-thesen/nur-mit-der-verkehrswende-ist-die-vollendung-der-energiewende-moeglich/). Man sollte sich unvoreingenommen, aber auch kritisch damit auseinandersetzen.

Eine einfache Rechnung zeigt, dass wir allein für die Dekarbonisierung des PKW-Verkehrs (ohne LKW, ohne Haushalte und Industrie) mehr als Zwanzigtausend, ca. 20.700 (46 Mio/ 2.222) moderne WKA, jedes kostet zwischen 2,5 und 3,5 Mio Euro, zusätzlich zu den derzeit für die Energiewende bereits arbeitenden 28.000 WKA in Deutschland einplanen müssten. Die finanziellen Ambitionen der Wind­kraft­lobby und der i.d.R. reichen EEG-Geldanleger sind somit jedem verständlich. Den Grünen geht es aber um die Sache, das nehme ich ihnen ab. Damit ist es aber nicht getan, denn die Energiewende bis 2050 ist derzeit erst zu ca. 30% erreicht. Und die Verkehrswende wäre damit erst nur für PKW, noch nicht für den be­son­ders energieträchtigen LKW-Schwerlastverkehr erreicht. Im Endausbau müssten in Deutschland weit über 100.000 WKA am Energiemix mitarbeiten, wahr­schein­lich das Fünffache dessen, was heute bereits in Betrieb ist. Für den Landkreis Marburg-Biedenkopf bedeutet dies: nicht nur die vom RP Gießen angestrebten 280 WKA für die Versorgung der Haushalte und des Gewerbes im LK mit Strom aus Erneuerbaren Energiequellen (EE), diese Betrachtung gilt bereits für den EE-Mix mit Photovoltaik (PV), Wasserkraft und Biogas, sondern noch ca. 59 WKA oben drauf für die Verkehrswende! Auf das Stadtgebiet Marburg beschränkt bedeutet dies: nicht allein mindestens 50 WKA für die autarke Versorgung der Haushalte, der Uni und Standortfirmen mit Strom aus WKA (https://bi-windkraft-goerzhausen.de/2017/05/technische-aspekte-der-windkraft-von-prof-dr-j-sundermeyer/), vielmehr einen Anteil weiterer 59 WKA, dreimal so hoch wie die E-Kirche, für den Genuss der E-Mobilität in Marburg zusätzlich on top auf die be­wal­de­ten Hügel um Marburg! Bei dieser anschaulichen Betrachtung von E-Marburg-2030 ist freilich zu berücksichtigen, dass zum Glück ein ca. 30% Anteil dieses gi­gan­tischen Aufwands für die Energiewende im Verbund mit der Ver­kehrs­wende aus der deutlich umweltverträglicheren, überall willkommenen PV kommen wird. Deshalb wird man sich aber dennoch auf ca. 50 WKA auf den Hü­geln direkt um Marburg bei einer Totalwende zwingend einstellen müssen, das gebietet die Physik und Mathematik! Warum sagt uns das keiner? 

Diese zwingend notwendige WKA-Dichte gibt es nirgendwo sonst auf dieser Welt – denkt man – doch Vorsicht: wie müsste eine derartige EE-Versorgung von Frank­furt/M. mit seinen Standortfirmen und Flughafen aussehen?! Jedem, der kritisch nach­rechnet, muss bewusst sein, dass eine 100%ige Dekarbonisierung der Strom­ver­sor­gung und gleichzeitig des Verkehrs, ja selbst nur der sehr wünschen­swerte massive nachhaltige Ausbau der E-Mobilität, einzig mit dem höchst überfälligen Ausbau der unbegrenzt vorhandenen, Wetter- und Jahreszeit-unabhängigen, leicht regel- und integrierbaren, kurz (im Gegensatz zu Sonne und Wind) grund­last­fähigen(!) Tiefengeothermie, der nachhaltigsten aller EE, der Menschheit je gelingen kann! (http://bi-windkraft-goerzhausen.de/arbeitsgruppen/agne/) Klar, auch die birgt Risiken, doch wer diese nicht rasch meistert, hat den uner­schöpf­lichen Lohn nicht verdient! Aber so, wie Deutschland profitgetrieben mit dem einseitig massiven Ausbau von Diesel-Mobilität den Zug in die postfossile Mo­der­ne zu verpassen scheint, so scheint es jetzt ebenso lobbygesteuert der tristen WKA-Monokultur zu verfallen und den Anschluss an den Ausbau der Tiefen­geo­ther­mie zu verpassen. Stattdessen werden wahrscheinlich wertvolle Waldoasen, stadtnahe Luftfilter und natürliche CO2-Fallen, Naherholungsgebiete und Ha­bi­ta­te für streng geschützte Tiere dem WKA-Ausbau geopfert, nachhaltig zerstört!

Den Marburgern, denen diese Zahlen und Zeilen zu denken geben, sei ange­bo­ten, sich in der Arbeitsgruppe für Nachhaltige Energieversorgung (AGNE), einer offenen, überparteilichen AG der als gemeinnützig anerkannten Bürgerinitiative (BI) Windkraft Görzhausen e.V. für Alternativen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und ihrer Speicherung im Raum Marburg zu engagieren (http://bi-windkraft-goerzhausen.de/arbeitsgruppen/agne/). Mit AGNE sucht die BI das ernsthafte, offene Gespräch auch mit Bürgern und Parteien, die sich nicht nohttps://www.ressource-deutschland.de/fileadmin/user_upload/downloads/studien/VDI-ZRE_Studie_Energiespeichertechnologien_bf.pdft­wen­di­gerweise in der BI sondern in anderen Interessensgruppen für Marburg, seine Natur und Energie engagieren. Dennoch sei an dieser Stelle im Interesse aller Marburger auch für die Mitgliedschaft in der BI, für 12 Euro pro Jahr, steuer­lich absetzbar, geworben. Geben Sie sich einen Ruck, werden Sie aktiv und blei­ben bei diesem wichtigen Thema unabhängig, informiert über die OP, über den e-Mail-Verteiler der BI und andere selbstgewählte Quellen.

Prof. Dr. Jörg Sundermeyer
Marburg, den 19. September2017


Positionspapier der http://bi-windkraft-goerzhausen.de/20.05.2017

Die Energiewende -weniger ein Problem der Erzeugung denn der Speicherung regenerativ erzeugter elektrischer Energie

Leider haben sich die vorhergesagten Szenarien einer Mittelung und Glättung der kontinental erzeugten und verbrauchten Stromenergie aus regenerativen Quellen im Experiment „Energiewende Deutschland“ nicht bestätigt. Peaks einer kritischen Überproduktion an Strom aus regenerativen Quellen überlasten immer häufiger die Netze und werden zu absurden Negativpreisen an die Nachbarn abgetreten, wo die Kernkraft regiert. Häufiger noch treten absolute Versorgungsflauten ein, für die die volle Kapazität an konventionellen Kraftwerken mit fossiler Brennstoffversorgung vorgehalten werden muss. Das ist unwirtschaftlich und führt nachweislich nicht zu der avisierten Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland. Ohne eine effiziente Speicherung und Rückverstromung der aus regenerativen Energiequellen erzeugten Spitzen an Überschussenergie und Füllen der Löcher des Strommangels kann die Energiewende und sichere Stromversorgung insbesondere der Industrie als Hauptverbraucher aus ganz prinzipiellen Gründen nicht gelingen. Die folgende Übersicht der Lösungsstrategien zeigt: Trotz großer Anstrengungen besteht weiterhin riesiger Forschungsbedarf bezüglich der Steigerung der Energieausbeute der Kette Strom →chemische Energiespeicherform →Strom.Jeder physikalisch-chemische Energie-Umwandlungsschritt ist mit einem mehr oder weniger großen Wirkungsgrad (Verlust)verknüpft, ein unumstößliches Naturgesetz.Etablierte Verfahren der Energiespeicherung von ÖKO-Überschussstrom:1.Pumpspeicherwerke:Wirkungsgrad 80%, geographisch bedingt leider sehr begrenzt in D.2.Lithiumionen-Akkus:Energie-Wirkungsgrad 90-95%, sehr teuer, begrenzte Lebensdauer/Ladezyklen, derzeit nur als Puffer für Hausgebrauch und Kurzzeit-Notstrom-Management für empfindliche Industriesteuerungen.Sollte in 20 Jahren die Autoflotte elektrifiziert sein, so wächst dieser sinnvolle Energiepuffer!3.Redox-Flow-Batterien:Riesige immobile Elektrolytspeicher in Form pumpbarer Metallionenlösungen.4.Wasser-Elektrolyse:Elektrochemische Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aus regenerativ gewonnenem Strom. Nutzung des Wasserstoffs in gekoppelten Verfahren im Gemisch mit Erdgas (siehe 4.1) oder in kopplungsfreien Verfahren (siehe 4.2) zur Rückgewinnung von Strom, in letzterem Fall dann weitgehend ohne CO2-Footprint.Etwas genauer soll auf Strategie der Wasser-Elektrolyse eingegangen werden:Der Wirkungsgrad beträgt wegen der Wärmeentwicklung und Überspannung, die man für die kathodische Reduktion von Protonen zu Wasserstoff benötigt nicht 100%. In den letzten 50 Jahren Forschung ist es gelungen,den Wirkungsgrad durch Wahl geeigneter Elektrodenmaterialien auf ca. 70-80% anzuheben.Das bedeutet, dass von der Energie einer Windturbine von 1 MWh nach der Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff noch 70-80%, d.h. 0,7 bis 0,8 MWh Energie gebunden in Form chemischer Energie vorhanden sind.Nun gibt es mehrere Optionen, wie dieser Elektrolyse-Wasserstoff aus regenerativem Überschussstrom als Zwischenspeicher zum Füllen der ÖKO-Stromlöcher verwendet werden kann:4.1 An die Verbrennung fossilen Erdgases an gekoppelte Verfahrend.h.Einspeisung des Wasserstoffs als5% Anteil in das weit verzweigte Erdgasnetz, danach:4.1.1Verbrennen des Gasgemisches mit Erdgas im Gas-Brennwertkessel mit bis zu 99% Wirkungsgrad liefert dann bis zu 0,7…0,8 x 1,0, das heißt 70-80% der eingesetzten Stromenergie, allerdings nur in Form von Wärme, keinen Strom. Wenig sinnvoll, da ohne ÖKO-Strom-Pufferwirkung, jedoch besser als ÖKO-Strom-Entsorgung zu Negativpreisen.4.1.2 Verbrennen des Wasserstoffs im Gemisch mit Erdgas in einem thermischen Gaskraftwerk mit Dampfturbine zur Stromerzeugung (Carnot’scher Kreisprozess, 2. Hauptsatz der Thermodynamik: max. 60% Wirkungsgrad). Daraus ergibt sich ein Gesamtwirkungsgrad von 0,7…0,8 x 0,4…0,6, das heißt 30-50% Energierücklauf in Form von Stromeinspeisung.4.1.3 Verbrennen des Gasgemisches mit Erdgas in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) entweder thermisch mit Motor/Generator oder mit Reformer/Brennstoffzelle, gekoppelt mit lokalem Fernwärmenetz (Dorf, mehrere Häuser) oder in individueller Hauswärmeanlage: Elektrischer Wirkungsgrad 25-40 %, Rest der Energie des Wasserstoffs wird als Wärme-Kopplungsprodukt im Haus(verbund) verbraucht. Gesamtwirkungsgrade bezogen auf Wasserstoff bis zu 95%, Gesamtwirkungsgrad bezogen auf Überschuss-ÖKO-Strom: 0,7…0,8 x 0,95, d.h. 65-75% Gesamtenergierücklauf, davon 18-32% in Form der Rückgewinnung elektrischen Stroms, Rest Wärme. Hervorragend geeignet überall dort, wo gleichzeitig Heizungswärme / Warmwasser benötigt wird.4.2Nicht-gekoppelte Verfahren: Ohne CO2-Footprint, das entstehende CO2wurde der Natur ursprünglich entnommen, der Wasserstoff entstammt regenerativen Quellen.4.2.1 Vermengung des regenerativ erzeugten Wasserstoffs als 30% Anteil mit Biogas, danach Verstromung in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) entweder thermisch mit Motor/Generator oder mit Reformer/Brennstoffzelle, gekoppelt mit lokalem Fernwärmenetz (Dorf, mehrere Häuser) oder in individueller Hauswärmeanlage: Elektrischer Wirkungsgrad 25-40 %, Rest der Energie des Wasserstoffs wird als Wärme-Kopplungsprodukt im Haus(verbund) verbraucht. Gesamtwirkungsgrade bezogen auf Wasserstoff bis zu 95%, Gesamtwirkungsgrad bezogen auf Überschuss-ÖKO-Strom: 0,7…0,8 x 0,95, d.h. 65-75% Gesamtenergierücklauf der eingesetzten ÖKO-Strommenge, davon 18-32% in Form der Rückgewinnung elektrischen Stroms zur Einspeisung.Problem liegt in der energieaufwendigen Düngung und Ernte der Felderfür das Nahrungsmittel Mais, derzeit der effizientesten Silage für den Biogasreaktor.4.2.2 Power-to-Gas-Technologie-synthetisches Erdgas:Hierbei wird Wasserstoff aus regenerativen Quellen mit CO2aus „fossilen“ Kraftwerken, Stahlwerken oder aus der Natur (Problem hier hochverdünnt!) zu Methanol(= flüssiger Benzinersatzstoff)oder zu Methan (= synthetisches Erdgas)katalytisch umgesetzt:CO2+ 3 H2→Katalysator→H3C-OH + H2O CO2+ 4 H2→Katalysator →CH4+ 2 H2O Stammte das CO2aus der Natur, so wird nach Verbrennung des chemisch synthetisierten, leicht lagerbaren und transportierbaren Energieträgers Methan (Erdgas) oder Methanol nicht mehr CO2in die Natur entlassen als ursprünglich vorhanden war (neutrale CO2-Bilanz, kein CO2-Footprint).Der Gesamtwirkungsgrad der Energiekette Strom →Wasserstoff→Methan/Methanol→Strom istl eider immer noch gering(20-40%), da die einzelnen Schritte durch recht hohe Energie“verluste“wie Wärmeentwicklung, Nebenreaktionen,geringe Selektivität und durch langsamen Umsatz gekennzeichnet sind. Mangelnde Effizienz in der Konvertierung elektrischer in chemische Energie vice versa führt zu einem deutlichen Mehrbedarf an Windkraft-und Photovoltaikanlagen als bislang geplant,sollte man die Vision einer überwiegend auf regenerativen Energiequellen basierenden und gleichzeitig sicheren Versorgung insbesondere der Wirtschaf tverfolgen.Wasserstoff, der umweltfreundliche Energieträger, bei dessen Verbrennung nur Wasser entsteht:Wasserstoff kann man leider nicht gut speichern. Dieses Permanentgaslässt sich selbst unter höchsten Drucken wie 1000 bar bei Raumtemperatur nicht verflüssigen. Kryogenen Flüssigwasserstoff wie er in Raketen eingesetzt wird gewinnt man beim energieaufwendigen Abkühlen auf -253°C(1 bar). Unter diesen technisch extremen Bedingungen steigt die Energiedichte pro Volumeneinheit. Hoffnung machen Autos mit Wasserstoffdrucktank, der in 3 Minuten bei -40°C zu füllen ist(!)und der eine Brennstoffzelle versorgt, die aus Wasserstoff den Strom für den Elektromotor erzeugt. Ein gewisser Durchbruch für eine umweltfreundliche, 600 km weitreichende Elektromobilität ist bereits erreicht!Große Hoffnung setzt man auf den sogenannten „Solarwasserstoff“, der durch direkte Spaltung von Wasser an Halbleiterpartikeln durch Sonnenlicht erzeugt werden kann. Der Wirkungsgrad ist derzeit noch weit weg von einer wirtschaftlichen Nutzbarkeit.Ein Statement der BI:Das Geld aus der EEG-Umlage gehört in die Forschung investiert und nicht in die Sonderförderung der Aufstellung gigantischer Windkraftanlagen in Schwachwindregionen! Neugierig? Werden Sie Mitglied der >Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Energieversorgung<der BI Windkraft Görzhausen e.V.-unabhängig, verantwortungsbewusst, kompetent!Rückfragen an Prof. Dr. Jörg Sundermeyer, Technik-Windkraft@michelbach.de


Die Energiewende gehört vom Kopf auf die Füße gestellt

Veröffentlicht am 23. November 2017 von Redaktion Bi-Windkraft Görzhausen

von Prof. Dr. Jörg Sundermeyer

Oberhessische Presse vom 22.11.2017

Die folgende Abschrift stellt eine ungekürzte Version eines Leserbriefes von Prof. Sundermeyer (BI – AGNE) an die OP-Redaktion, betreffend OP Artikel vom 04.11.17 dar: „Nicht gegen den Willen der Bevölkerung“ von Björn Wisker.

Die BI Windkraft Görzhausen setzt sich auch weiterhin für eine aufrichtige Diskussion ein, wie wir eine Energiewende, von der Mehrheit der Bürger getragen, hinbekommen. Die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Energieversorgung der BI (AGNE) ist jetzt mehr denn je gefordert, an Vorschlägen für die Marburger Region mitzuarbeiten. Kein bedingungsloser Glaube, sondern belegbare, durchgerechnete und experimentell gemessene Fakten sollten hierbei die Grundlage bilden. Dazu ein paar Beispiele: Herr Seitz, Grünen-Stadtverordneter, wird in o.g. Artikel zitiert „die Schornsteine von Kohlekraftwerken wie Staudinger/Hanau seien höher und besser zu sehen als jedes Windrad“. Jeder mag sich selbst ein Urteil bilden, ob die vier Schornsteine von Block 1 – 4 mit durchschnittlich 209 m Höhe in der Ebene besser zu sehen sind als vier 236m hohe Windräder mit Rotorkreisflächen, 1,5-fach so groß wie ein Fußballfeld, auf dem Marburger Bergrücken! Auch würden nicht vier, sondern ca. 1.100 (!) Windräder dieser Größe als Ersatz des ursprünglich mal ausgelasteten 1.100-MW-Kohlekraftwerks Staudinger in den Wald und „den Bürgern vor die Tür gestellt“ werden müssen! Nicht jedem ist bewusst, dass ein 3,5-MW-Windrad an windreichen Standorten, besser als Görzhausen, maximal 30% seiner Nennleistung erzeugt, also im Mittel 1 MW – je größer die relative Windrad-Population im Land, desto weniger pufferbar auch dann, wenn diese Energie gerade nicht gebraucht wird – und umgekehrt. Um Windenergie grundlastfähig zu machen, was notwendig wäre, möchte man Kohlekraftwerke ersetzen, müssen zwingend und dringend zusätzliche Stromtrassen von der Nordsee und Speicherlösungen her!

Die nach Pumpspeicherwerken effizienteste Form der Energiespeicherung von Erneuerbaren Energien (EE) stellen sogenannte Redoxflow-Batterien dar. Sie haben mit 75-80% einen viel besseren Wirkungsgrad als die Kombination der Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse mit EE-Strom gefolgt von faszinierenden Chemie-Experimenten wie Power-to-Gas. Doch Vorsicht bei übertriebenem Optimismus: Die weitgehend ausgereifte Vanadium-Redoxflow-Batterie hat eine Energiedichte von 40 Wh/Liter, d.h. 4 MWh Energie lassen sich in 100.000 Litern Elektrolyt-Lösung pro Windrad speichern. Bei viel Wind ist dieser Speicher innerhalb nur einer Stunde voll, 3 MWh kommen bei Bedarf wieder raus! Um Windenergie grundlastfähig zu machen, was nötig wäre, wollten wir Kohlekraftwerke ersetzen, benötigen wir folglich an jedem Windpark von 5 Windrädern je eine kleine chemische Fabrik zur Energieumwandlung und eine halbe Million Liter Elektrolyt, d.h. einen 10,0 x 10,0 x 5,0 Meter großen Tank, gefüllt mit hochkonzentrierter toxischer Säurelösung und eine Kaskade teurer elektrochemischer Reaktoren. Frage: Sind also 1.100/5 bzw. 220 derartige Chemiefabriken neben den 1.100 Windmühlen eine nachhaltige Lösung, um das Kohlekraftwerk Staudinger zu ersetzen? Gibt es seriöse alternative Vorschläge? Um ein gutes Argument gleich vorweg zu nehmen: Massenhaft ausgediente Lithiumionen-Akkus von Elektroautos und die Autos selbst tragen sicher einen Teil zur Lösung des EE-Speicherproblems bei – aber bitte auch hier bei Kosten und Kapazität das Rechnen nicht vergessen!

Dass nun die Firma Krug Energie von ihrem Bauvorhaben abgerückt ist, verdient Respekt, denn sie steht zu ihrer Aussage „nicht gegen den Willen der Bevölkerung“, die betroffen ist. Ihre Stellungnahme zur Entscheidung belegt aber auch die immer wieder formulierte These der BI, dass magere wettbewerbsspezifische Gewinnerwartungen nicht durch eine überragende standortspezifisch-windenergiewirtschaftliche Faktenlage in Görzhausen kompensiert werden konnten. In diesem Zusammenhang ist es aber eine gute Nachricht, dass die reinen Strom-Erzeugungskosten aus Wind und Sonne nicht höher sind als die aus fossilen und nuklearen Brennstoffen! Quelle: https://cleantechnica.com/2016/12/25/cost-of-solar-power-vs-cost-of-wind-power-coal-nuclear-natural-gas/. Warum also sollte die Politik bei dieser Faktenlage die Erzeugung von Strom aus Windenergie über mittlerweile ausgereifte Konzepte weiterhin subventionieren, etwa den Bau von Onshore-Windparks? Viel nachhaltiger wäre es, unsere EEG-Mittel bis auf Weiteres ausschließlich in die Förderung der krass vernachlässigten Energie-speicherlösungen, des Ausbaus der Stromtrassen und des intelligenten Grids zu stecken, damit Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von EE, anders als bisher, zukünftig besser synchronisiert werden! Noch gebe ich die Hoffnung auf Jamaika-Einsichten nicht auf: Die Energiewende gehört vom Kopf auf die Füße gestellt!

Erstmalig eingereicht bei der OP am 06.11.17

Von der Redaktion beantwortet am 10.11.17

Gekürzt und erneut eingereicht am 16.11.17

Gekürzte Version erschienen am 22.11.17

…als sich unsere gewählten Politiker längst aus ihrer Jamaika-Verantwortung davongestohlen hatten.



Mitglied des Vorstands der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen e.V. und der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Energieversorgung (AGNE) stellt Weichen für eine  nachhaltigere und preisgünstigere Erzeugung und Nutzung Erneuerbarer Energien

Oberer Teil einer drei Stockwerke großen Produktionsanlage für TMG (© UMICORE AG Hanau)

Vor kurzem wurde eine Produktionsanlage in Hanau in Betrieb genommen, bei der ein an der Universität Marburg entwickeltes Verfahren für die industrielle Produktion von Trimethylgallium(TMG) zukünftig eingesetzt wird. TMG ist eine Schlüsselverbindung für die Herstellung von Halbleitermaterialien zur nachhaltigeren Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht mittels Hochleistungssolarzellen von doppeltem Wirkungsgrad wie Silizium-Solarzellen, weiterhin auch zur Erzeugung von Licht aus regenerativem Strom über LED – ebenfalls mit bis zu doppelt so hohem Wirkungsgrad im Vergleich zu Leuchtstoffröhren. Nähere Informationen dazu bieten die Pressemitteilung der Universität Marburg, ein Interview von Prof. Sundermeyer mit dem Sender„Radio Unerhört Marburg“ (Podcast mit Redakteur Martin Schäfer) sowie der Foliensatz „Photovoltaik – vom Molekül zum Modul“ aus der Arbeit der AGNE.